Good Practice: Eidgenössischer Hornusserverband EHV

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Frauenhornussen 2025

Auf einen Blick

  • Name: Eidgenössischer Hornusserverband EHV
  • Was: Dachverband aller Hornussergesellschaften in der Schweiz
  • Mitglieder: 153 Gesellschaften, ca. 6'000 aktive Hornusserinnen und Hornusser, ca. 1'200 Nachwuchsspielerinnen und -spieler
  • Ort: Kirchberg (Bern)
  • Art: Traditionssportverband mit modernisierter Struktur und offenem Zugang
  • Stärken: Gelebte Gleichstellung, Offenheit, digitale Vorreiterrolle, aktive Nachwuchsförderung

Der Eidgenössische Hornusserverband (EHV) ist die Dachorganisation aller Hornussergesellschaften in der Schweiz – einem der ältesten und typischsten Schweizer Volkssporte überhaupt. Der EHV vereint 153 Gesellschaften, rund 6'000 aktive Spielerinnen und Spieler sowie über 1'200 Nachwuchstalente. Was den Verband besonders macht: Er schafft die Gratwanderung zwischen tiefer Verwurzelung in der Tradition und offenem, modernem Vereinsleben – und das mit einem Team, das fast vollständig auf Ehrenamt basiert.

Das Porträt

  • Das Besondere
    Beim EHV ist die Gleichbehandlung kein blosser Slogan, sondern gelebte Realität. Wer am Wettkampf teilnimmt, wird nach denselben Regeln bewertet – unabhängig von Alter, Geschlecht oder einer Beeinträchtigung. Dass auch Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung fester Bestandteil der Teams sind, gehört beim EHV einfach dazu. «Bei uns sind alle gleich und werden auf die gleiche Weise gesehen und behandelt» – das ist für den Verband ganz selbstverständlich.

    Dieser offene Geist spiegelt sich auch in der Mitgliederstruktur wider. Während das Hornussen lange Zeit männerdominiert war, spielen Frauen und Mädchen heute eine immer wichtigere Rolle. Besonders im Nachwuchsbereich ist die Veränderung spürbar: Am letzten nationalen Nachwuchsfest war bereits jedes siebte Kind ein Mädchen. Dieser Wandel ist das Ergebnis gezielter Initiative. Was vor 17 Jahren durch das Engagement einer einzelnen Hornusserin begann, hat sich fest etabliert: Das jährliche Frauenhornussen, mittlerweile ergänzt durch ein eigenes Mädchenhornussen, ist ein fester Termin im Kalender. Der Verband unterstützt diese Anlässe aktiv durch Kommunikationsplattformen, Nachwuchsfördergelder und öffentliche Sichtbarkeit, um den Sport für alle weiter zu öffnen.
     

  • Herausforderungen
    Hornussen braucht Erklärung – das ist eine der grossen Aufgaben in der Vermittlung. Da viele Menschen die Sportart kaum kennen, bestehen oft Berührungsängste. Hinzu kommt, dass die klassische Berichterstattung in den Printmedien spürbar zurückgegangen ist. Der Verband hat darauf reagiert und setzt verstärkt auf Eigeninitiative: Beiträge werden heute authentisch «von Hornussern für Hornusser» verfasst und die sozialen Medien kreativ genutzt. Highlights wie die Live-Übertragung des Eidgenössischen Festes 2024 im SRF oder Auftritte in Gameshows sind dabei wertvolle Gelegenheiten, um neue Türen zu öffnen. Dass sich Erfolg auf TikTok oder Instagram kaum erzwingen lässt, sieht man beim EHV gelassen und bleibt experimentierfreudig.

    In einigen Regionen kämpft der Sport zudem mit rückläufigen Mitgliederzahlen. Um dem entgegenzuwirken, wurde das Projekt «Hornusser Weg» ins Leben gerufen. Das Ziel ist es, die Basis bis zum 125-Jahr-Jubiläum im Jahr 2027 nachhaltig zu stärken – ein besonderes Jahr, in dem das Eidgenössische Fest der Aktiven und das Nachwuchsfest gemeinsam gefeiert werden. Der Schlüssel liegt dabei in der Jugendförderung. Mit Aktionen wie der ersten nationalen Schnupperwoche im Mai 2026, bei der über 65 lokale Angebote zum Mitmachen einluden, setzt der Verband ein deutliches Zeichen für die Zukunft des Sports.
     

  • Arbeitsweise
    Der EHV wird fast vollständig durch ehrenamtliches Engagement getragen. Neben einer Teilzeit-Geschäftsstelle wirken rund 60 Funktionär:innen in diversen Ressorts mit. Dabei achtet der Verband darauf, Neuerungen behutsam einzuführen. «Zu viel Veränderung auf einmal funktioniert nicht», erklärt die Kommunikationsverantwortliche. Wichtig ist dabei, die Mitglieder aktiv mitzunehmen.

    Der Schlüssel dazu ist eine offene Kommunikation über alle Ebenen hinweg. Der Verband nutzt dafür die eigene App und die Homepage, legt aber ebenso grossen Wert auf das direkte, persönliche Gespräch auf den Spielfeldern. Wer Änderungsanträge hat, kann diese über den jeweiligen Zweckverband einbringen. Ziel ist es, dass die Mitglieder die Hintergründe von Entscheidungen verstehen – denn nur so können sie diese auch langfristig mittragen.
     

  • Erfolg und Resonanz
    Wie wirkungsvoll Kommunikation mit einfachen Mitteln sein kann, zeigt sich auf Social Media: Ein simples Handyvideo auf TikTok erzielte einen unerwarteten Riesenerfolg. Ebenso wurde ein Reel, in dem Kinder mit Pappkartons die Schnuppertage ankündigten, vielfach geteilt. Ergänzend dazu bietet die eigene Verbands-App die Möglichkeit, Spielverläufe live mitzuverfolgen. Das bindet auch Personen ein, die nicht selbst auf dem Platz stehen – wie etwa Partner:innen und Familienmitglieder, die so am Spielgeschehen teilhaben können.

    Ein weiteres Beispiel für eine gelungene Neuerung ist der erste Eidgenössische Veteranentag 2026. Mit über 1'000 Teilnehmenden ab 60 Jahren war die Resonanz auf diesen Anlass gross. Die Idee dazu entstand ursprünglich in einem Zweckverband, wurde vom EHV aufgegriffen und schliesslich auf nationaler Ebene fest verankert. Dies zeigt, wie lokale Initiativen beim EHV erfolgreich in die Verbandsstruktur übernommen werden können.
     

Inspiration für deinen Verein:

  • Gleichstellung leben statt nur beschliessen: Beim EHV ist Gleichbehandlung gelebte Praxis. Regeln, die für alle gleich gelten, schaffen mehr Vertrauen als reine Theorie.
  • Wandel in Etappen: Veränderungen in Traditionsvereinen brauchen Zeit. Wer schrittweise vorgeht und die Gründe transparent erklärt, nimmt die Mitglieder erfolgreich mit.
  • Impulse der Basis aufgreifen: Die besten Ideen kommen oft direkt von den Aktiven. Wer zuhört und lokale Initiativen – wie den Veteranentag – national fördert, stärkt die Gemeinschaft.
  • Hürden für den Einstieg senken: Der Zugang zum Sport muss unkompliziert sein. Die Möglichkeit, kurzfristig eine Lizenz zu lösen und sofort mitzuspielen, erleichtert den Weg in den Verein.
  • Authentisch statt aufwendig: In den sozialen Medien zählt Glaubwürdigkeit. Ehrliche Einblicke mit einfachen Mitteln erzielen oft mehr Wirkung als perfekt durchgeplante Kampagnen

Auf den Punkt gebracht

«Es ist wichtig, offen zu bleiben und hinzuhören, was die Menschen bewegt und was funktionieren könnte. Wir müssen sicherstellen, dass wir auch die kleineren Gruppen innerhalb des Verbands wirklich abholen.»

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